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Der Gedankenfänger

Der Gedankenfänger — 001
Ist es schön oder gar regnicht, meine Gewohnheit bleibt die durch Städte zu spazieren; man sieht mich immer allein. Es beliebt mir mich an belebten Orten zu verlieren, mich zurückzuziehen wenn das Angebot der Menschen nicht gar zu toll ist.



Von einer Auswahl möglichst verschiedenartiger Gedankengänge, die mir erst eine gewisse Anzahl von Leuten möglich macht, lasse ich mich gerne anziehen.



Ein wenig zurückgezogen, diskret setze ich mich z.B. in ein Café, verstecke mich hinter meiner Zeitung und beginne des Morgens bei einem kleinen Frühstück erste Gedanken einzufangen, die meinen Tag bereichern werden und mich an Orte, Begebenheiten führen, wie spannender zu ersinnen ich es nicht in der Lage bin.



Wie Bienen fleißig, schwirren sie in alle Richtungen. Doch anders als diese eifrigen Insekten die nur das eine Ziel im Kopfe haben, sind diese frei, unbändig bewegen sie sich in jede Richtung und nicht selten überrascht ein gradliniege Verlauf mit einer plötzlichen Wendung, einem Kertmachen, ausgelöst durch ein unvorhergesehenes Ereignis, wie eine überraschende Antwort auf eine gestellte Frage zum Beispiel.



Amüsant kann es besonders dann werden, wenn das Ausgesprochene nicht unbedingt mit dem Gedachten übereinstimmt, ein Freudjaner der eine gewollte Lüge entlarvt, oder diplomatisches Ungeschick das für Zündstoff sorgt.



Eine Stadt hat den Vorteil immer wieder neuen Gästen, wieder mit neuen spannenden Geschichten begegnen zu können, wie auch den selben liebgewonnenen Gesellen, die über Jahre hinweg den selben Friseur, das selbe Restaurant, die selbe Kneipe, das selbe Kino meist noch mit den selben Bekannten besuchen kommen.



Das macht es zum einen interessant, lässt sich so eine Entwicklung über die Jahre verfolgen, selten geht jemand verloren, ist er doch aus den Köpfen seiner Kollegen niemals ausgelöscht.



Mit dem Tod verlässt lediglich die sterbliche Hülle dieser Protagonisten die Bühne des Lebens, im Geiste hingegen sind sie unsterblich.



Was mir auch immer wieder großes Vergnügen bereitet, ist es ein und die selbe Geschichte aus allen Richtungen in Betracht zu nehmen. Vorausgesetzt es bietet sich mir die Gelegenheit alle Beteiligten in meiner Nähe zu haben, um ihrer Gedanken habhaft zu werden.



Was aber oft auch nicht notwendig ist. Ist die Geschichte gut, handelte es sich um ein wirklich aufsehenerregendes Ereignis, dann wird dieses in vielerlei Facetten zu finden sein. Dann den Urheber oder enge Beteiligte zu treffen ist ein wahrlich exklusives Erlebnis, weil sich so die Geschichte vom Wahren lösen kann.
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